Josef H. Reichholf
Zoologe
"Der Nationalismus war eine evolutionsbiologische Notwendigkeit und zwar sehr
lange Zeit in der Entstehungsgeschichte des Menschen. Aber seit ein paar
tausend Jahren ist er zur Last geworden. Die Verhaltensweisen, die mit dem
Nationalismus verbunden sind, dürften biologisch einprogrammiert sein,
also zum Erbgut des Menschen zuzurechen sein.
Und nichts ist schwerer, als über kulturelle Prozesse und Leistungen
biologisches Erbe in Schach zu halten oder außer Kraft zu setzen.
Der einzelne identifiziert sich mit der Gruppe, mit seinem Stamm, seiner
Gesellschaft, überträgt seine Selbstwertgefühle auf diese
Gruppe und fühlt sich sofort bedroht, ganz persönlich, wenn diese
Gruppe durch andere herausgefordert wird. Wenn
Minderheiten-Mehrheiten-Probleme entstehen, wenn Fremde eindringen in das
vorhandene Territorium, dann tritt dieser Mechanismus des Verhalten in
Kraft, und es ist furchtbar schwer, sich bewusst zu machen und die
Verhaltensweisen in Schach zu halten."
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