Psychoanalytiker
"Die Ablehnung fremder Ideen einschließ derer, die unsere Umgebung
betreffen, ist vor allem eine Folge des inneren Widerstandes gegen die
Selbsterkenntnis [...]
Die Argumente, die gegen eine neue Erkenntnis vorgebracht werden, sind in
ihrer Ähnlichkeit fast monoton: Sie zerstören einen kostbaren
Besitz oder schmälern ihn, sie ist entwürdigend, materialistisch
oder gar atheistisch. Sie wird die Menschheit um ihr hohes Selbstgefühl
bringen, ihre gute Meinung über sich selbst beeinträchtigen oder
ihr etwas nehmen, das ihr besonders teuer ist. Dieses »Etwas« ist
fast immer von ästhetischer, ideeller, ethischer oder religiöser
Natur, also etwas, das der Mensch als sein höchstes Gut schätzt
[...]
Der Mensch klammert sich sowohl an seine Illusionen als auch an die
Unwissenheit"
... und pflegt seine Illusionen und seine Unwissenheit in der diese
verstärkenden sozialen Gruppe, bringt diese in die demokratische
Meinungsbildung ein und trägt so selbst zum Aufbau gruppenspezifischer
Zeichen und Normen, zur Festigung des Korpsgeistes, zum sozialen Zwang
und zur Unterdrückung der wissenden und erkennenden Minderheiten bei.
Dadurch werden die Illusionen und die Unwissenheit gemeinschaftlich
gestärkt und durch Abwehr jeglicher wissenschaftlich-sachlichen
Aufklärung als "auch nur deine persönliche Meinung" gesichert. Wie
könnte man da mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt hoffen, dass Menschen
"die Handlungen von den Antrieben lösen", um dann ihre "Willenskraft"
erfolgreich und vor allem im Sinne der Humanität einzusetzen"?
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